
ALLUME – Ex Luto (2026, Octopus Rising) (Review)

Manchmal reichen drei Minuten. „Espressionismi“ legt los, und plötzlich ist ziemlich klar, wohin die Reise bei ALLUME geht: schwere Gitarren, ein ordentlich fetter Bass und Drums, die den ganzen Kram nach vorne schieben. Kein vorsichtiges Herantasten. Das Ding steht sofort im Raum.
ALLUME kommen aus Italien und haben mit Ex Luto ihr zweites Album am Start. Nach O.D.E. ist der Sound noch etwas schwerer geworden, ohne dass die Band dafür auf die üblichen Stoner-Rock-Klischees angewiesen wäre. Klar, die Riffs sind wichtig. Sehr wichtig sogar. Aber daneben gibt es immer wieder diese psychedelischen Stellen, in denen sich die Stücke etwas öffnen.
„Stanco“ gehört zu den Nummern, bei denen das besonders gut funktioniert. Ein schwerer Groove, der nicht ständig beschleunigt werden muss, dazu Bass und Schlagzeug, die ordentlich dagegenhalten. „La Stessa Idea“ macht anschließend mehr Druck und bleibt trotzdem in diesem leicht benebelten Bereich. Die Gitarren müssen hier nicht jede Sekunde irgendeinen Kunstgriff vorführen.
Das gilt auch für „Apparire Confuso“. Der Bass von Nicola Mancini fällt auf dem ganzen Album angenehm auf, hier aber besonders. Er gibt den Songs diesen tiefen, wuchtigen Unterbau, während sich die Gitarren darüber austoben können. Und dann kommt „Più In Basso“, das sich Zeit lässt. Riff. Groove. Noch ein Riff. Irgendwann bewegt sich der Kopf von ganz alleine.
Mario Caruso spielt Gitarre und singt, Marco Buzzini übernimmt ebenfalls Gesang, Nicola Mancini Bass und Synthesizer, Nicola Cigolini sitzt am Schlagzeug. Bei einer solchen Besetzung kann es schnell passieren, dass jeder nur seinen Part abliefert. Bei ALLUME klingt das anders. Die Instrumente greifen ineinander, gerade bei den längeren Passagen.
Interessant ist auch die Entstehung des Albums. Ein Großteil wurde im Sommer 2024 in der Villa Ridente nahezu live aufgenommen. Das hört man. Nicht im Sinne irgendwelcher großen Studiofehler, sondern einfach daran, dass die Platte nicht bis zur völligen Glätte bearbeitet wurde. Die Dynamik bleibt erhalten, und gerade bei diesen langen Grooves ist das ein Vorteil.
„AB +/-“, „Distanze“ und „Il Panorama“ zeigen, dass ALLUME nicht nur von dicken Riffs leben. Hier wird es stellenweise luftiger, ohne dass die Schwere verschwindet. Die Songs dürfen sich entwickeln und wieder zurückfallen. Besonders „Distanze“ hat diese Eigenschaft, bei der man nicht genau sagen kann, wann eigentlich der nächste Abschnitt beginnt. Er ist einfach irgendwann da.
Das Material entstand teilweise während der Pandemie. Verlust, Veränderung und persönliche Umbrüche spielen in den Texten eine Rolle. Man muss daraus aber kein großes Konzept basteln. Die Musik ist ohnehin dunkel genug.
„Tardis“ gehört zu den interessanteren Stücken auf dem Album, weil ALLUME hier etwas stärker aus ihrem üblichen Riff-Groove herausgehen. Danach bringt „Cosa Sembro“ die Platte zu Ende. Kein riesiger Schlussakkord, kein Versuch, den Hörer noch schnell mit irgendeinem Finale umzuhauen. Es läuft einfach aus.
Und das passt eigentlich ganz gut zu Ex Luto. ALLUME haben keinen Bedarf, ihren Stoner Rock künstlich aufzublasen. Die besten Momente entstehen dort, wo die Band einen Groove findet und ihn nicht gleich wieder loslassen muss. Gerade die nahezu live eingefangene Produktion unterstützt diesen Ansatz.
Natürlich kennt man die Zutaten. Schwere Riffs, Psychedelic, Stoner, etwas Post-Metal. Wer in diesem Bereich unterwegs ist, wird kaum plötzlich mit völlig unbekannten Geräuschen konfrontiert. Dafür haben ALLUME ein gutes Gespür dafür, wann ein Riff einfach stehen bleiben sollte.
Manchmal könnte die Band allerdings noch etwas weitergehen. Ein paar Stücke hätten durchaus vertragen, wenn ALLUME die Spannung noch länger gehalten oder an einer Stelle wirklich alles aufgerissen hätten. So bleibt Ex Luto meistens auf sicherem Boden.
Das ist aber ein ziemlich guter Boden. Die Platte hat Gewicht, einen ordentlichen Bass und genug Bewegung, damit die fast 40 Minuten nicht in einem einzigen Fuzz-Nebel verschwinden. Kein Album, das den Stoner Rock neu erfinden will. Einfach eine Band, die inzwischen ziemlich genau weiß, welche Art von Druck sie erzeugen möchte.
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