
Chris Horses & The Slow Smoke – Nowhere Bound (2026, Devil’s Fork Records) (Review)

Southern Rock und Country gehören normalerweise nicht zu den Ecken des Musikuniversums, in denen ich besonders lange unterwegs bin. Bei Nowhere Bound von Chris Horses & The Slow Smoke musste ich diese Haltung allerdings ziemlich schnell überdenken. Nicht, weil das italienische Quartett plötzlich Southern Rock neu erfindet. Sondern weil die neun Songs erstaunlich selbstverständlich funktionieren.
Schon „SLOSMO“ macht es einem leicht. Akustische Gitarren, ruhiger Gesang, zunächst kaum mehr als eine zurückhaltende Ballade. Dann kommen Bass, Schlagzeug und elektrische Gitarre dazu, ohne dass der Song dadurch seine Ruhe verliert. Genau diese Art von Dynamik zieht sich durch das Album. Die Band muss nicht ständig aufdrehen, um interessant zu bleiben.
„White Flag“ geht deutlich mehr nach vorne und hat diesen klassischen Rock-Groove, bei dem man unweigerlich mit dem Kopf mitgeht. Dazu kommt ein Gitarrensolo, das erfreulicherweise nicht versucht, gleich den halben Rock-Olymp zu beeindrucken. Es passt einfach zum Song.
Überhaupt sind die Gitarren einer der Gründe, warum Nowhere Bound nicht wie eine Ansammlung von Genre-Zitaten wirkt. Chris Horses und Gianluca Zanibellibato lassen ihren Instrumenten Platz. Mal akustisch, mal bluesig, mal mit deutlich mehr Rock im Anschlag. Das klingt nicht nach einer Band, die krampfhaft beweisen möchte, wie gut sie Southern Rock kennt.
„Rocks On The Street“ schlägt anschließend wieder leisere Töne an und bringt mehr Country ins Spiel. „If I Broke Your Heart“ ist dagegen ein ausgewachsener Rocksong mit Blues-Einschlag und einer Melodie, die tatsächlich hängen bleibt. Genau hier versteht man auch, warum die Platte trotz ihrer Americana-Wurzeln nicht besonders schwer zugänglich ist. Die Songs wollen nicht analysiert werden. Sie wollen laufen.
Dann kommt „Cheeserolling“. Schon der Titel lässt ahnen, dass hier niemand vorhat, die große Südstaaten-Tragödie aufzuführen. Banjo, Country-Rock und eine gewisse Schunkel-Energie treffen aufeinander, und plötzlich macht dieser Song verdammt viel Spaß. Das ist vielleicht nicht die Art von Musik, die man erwartet, wenn man normalerweise eher zu schwereren Gitarren greift. Aber gerade deshalb funktioniert sie.
„The Party’s Gone“ hält die Stimmung oben, bevor „Shine Or Rain“ wieder stärker in Richtung Country geht. Das Banjo ist hier deutlich präsenter, während die Band trotzdem nicht in Folk-Kitsch abrutscht. „Feel It Coming“ bringt danach wieder mehr klassischen Southern Rock zurück, inklusive Gitarrensolo und einem Duett, das dem Stück eine zusätzliche Farbe gibt.
Und dann ist da noch „Goddamn Love Song“, das mit einer tiefen Basslinie beginnt und sich langsam zur Rockballade entwickelt. Ein ziemlich guter Abschluss für ein Album, das überhaupt nicht den Eindruck erweckt, als müsse es seine verschiedenen Einflüsse ständig miteinander versöhnen. Country, Blues, Folk und Rock stehen hier einfach nebeneinander und dürfen jeweils ihren Platz bekommen.
Natürlich hört man, woher die Band ihre Vorbilder nimmt. Neil Young, The Allman Brothers, Blackberry Smoke, Jason Isbell und Willie Nelson sind keine völlig abwegigen Namen, wenn man Nowhere Bound hört. Aber das Entscheidende ist etwas anderes: Die Songs funktionieren auch dann, wenn man nicht gerade auf der Suche nach der nächsten Americana-Platte ist.
Und genau da hat mich das Album erwischt.
Ich würde Nowhere Bound wahrscheinlich nicht jeden Abend freiwillig auflegen. Dafür liegt diese Musik schlicht zu weit außerhalb dessen, was normalerweise bei mir läuft. Aber das ist kein Qualitätsurteil. Gute Musik muss nicht immer in die eigene Komfortzone passen. Manchmal reicht es, wenn sie gut geschrieben, gut gespielt und frei von unnötigem Theater ist.
Chris Horses & The Slow Smoke liefern genau das. Keine übertriebene Retro-Show, keine aufgesetzte Cowboy-Romantik und auch keinen Versuch, größer zu wirken, als die Songs es verlangen. Einfach neun gut gemachte Stücke zwischen Southern Rock, Country, Blues und Americana, die sich Zeit lassen und trotzdem nicht langweilen.
Für eine Platte, die eigentlich überhaupt nicht mein übliches Beuteschema ist, ist das ein ziemlich gutes Ergebnis.
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