
30,000 Monkies – SUPER REBOUND (2026, Fvn Kvlt Records) (Review)

Bei 30,000 Monkies ist man besser darauf vorbereitet, dass ein Song jederzeit die Richtung wechseln kann. „Super Rebound“ macht daraus gleich ein Grundprinzip. Die Belgier packen Noise Rock, Sludge, Post-Metal und eine gute Portion musikalischen Wahnsinn in dreizehn Stücke, ohne dabei den Eindruck zu erwecken, irgendeine Checkliste abarbeiten zu wollen. Schwer ist das Album ständig. Berechenbar so gut wie nie.
Schon „The Gums“ zeigt, wohin die Reise geht. Erst ein fast harmloser Gitarrenbeginn, dann kippt die Sache komplett. Schwere Riffs, aggressive Vocals, ein seltsamer Mittelteil, bevor plötzlich wieder eine andere Tür aufgeht. 30,000 Monkies können innerhalb weniger Minuten mehr Ideen unterbringen als andere Bands auf einer halben Platte. Das könnte anstrengend sein. Ist es oft auch. Aber genau darin liegt ein großer Teil des Reizes.
„Prism Break“ arbeitet dagegen stärker mit Wiederholung. Das Riff darf sich festbeißen, während die Band langsam mehr Druck aufbaut. Diese Art von Geduld beherrschen 30,000 Monkies erstaunlich gut. Sie wissen, dass ein Riff deutlich härter einschlagen kann, wenn vorher nicht permanent schon alles auf Anschlag läuft.
Überhaupt ist das Spiel mit Erwartungen ein wichtiger Teil von „Super Rebound“. Die drei instrumentalen Stücke mit den Klammer-Titeln wirken zunächst fast wie Fremdkörper. [Horns Wailing] nimmt Tempo und Gewicht heraus, bevor „Mountainesque 4“ umso brutaler zurückkommt. Fast sieben Minuten lang wird hier gebrettert, gewalzt und an der Grenze zum akustischen Kontrollverlust gespielt. Und dann tauchen plötzlich Synthesizer und beinahe progressive Passagen auf. Die Band lässt das Material nie einfach nur in eine Richtung laufen.
„Unsound Hero“ treibt dieses Prinzip auf die Spitze. Der Anfang zieht sich geradezu provozierend. Schlagzeug, Gitarre, viel Spannung und die Frage, wann endlich etwas passiert. Man wartet. Und wartet noch etwas. Dann kommt der Riff-Einsatz, und plötzlich ist da dieses tiefe, schmutzige Gewicht. Der Song funktioniert gerade deshalb so gut, weil 30,000 Monkies nicht ständig beweisen wollen, wie laut sie sein können. Sie nehmen sich die Zeit, die Wirkung vorzubereiten.
Das ist überhaupt ein wichtiger Punkt bei dieser Platte: Hinter dem Lärm steckt erstaunlich viel Kontrolle. Die Musik klingt chaotisch, ist aber nicht zufällig zusammengeschoben. Die Gitarren dürfen ausufern, Feedback darf stehen bleiben, einzelne Passagen scheinen sich absichtlich gegen den normalen Songfluss zu sträuben. Trotzdem behalten die Stücke einen Kern. Meistens ist es ein Riff. Manchmal ein Groove. Manchmal schlicht die Frage, wie lange man eine Spannung aushalten kann.
Der Titelsong gehört zu den offensichtlichsten Beispielen dafür. „Super Rebound“ ist Riffarbeit ohne viel Sicherheitsnetz. Das Stück setzt auf Gewicht, Wiederholung und dieses fast sture Festhalten an einer musikalischen Idee. Weniger wäre hier vielleicht nicht schlechter gewesen. Überhaupt hätte das Album an einigen Stellen etwas strenger gekürzt werden können. Gerade die längeren Noise- und Feedback-Passagen verlangen Geduld, und nicht jede davon zahlt sich gleich überzeugend aus.
Andererseits wäre eine komplett auf Effizienz getrimmte Version vermutlich auch nicht mehr dieselbe Band. 30,000 Monkies brauchen diese Momente, in denen ein Song scheinbar stehen bleibt, sich im eigenen Geräusch verliert und dann doch wieder irgendwo auftaucht. Das ist Teil der Persönlichkeit der Platte.
Und dann gibt es [Bells Ringing, Tale Melting]. Glocken, schwebende Geräusche, eine fast friedliche Atmosphäre. Für einen Moment scheint „Super Rebound“ tatsächlich innezuhalten. Natürlich hält das nicht lange. Später entwickelt sich daraus ausgerechnet einer der schwersten Abschnitte des gesamten Albums. Ein ziemlich fieser Trick und gleichzeitig genau die Sorte Überraschung, mit der diese Band offenbar nicht aufhören kann.
Trotz aller Härte ist „Super Rebound“ bemerkenswert verspielt. Das Album trägt seine Brutalität nicht wie eine Pflichtübung vor sich her. Zwischen dem Lärm steckt Humor, und selbst die komplizierteren Passagen wirken nicht so, als müssten sie irgendeine musikalische Bedeutungsschwere beweisen. 30,000 Monkies können kaputtklingen und trotzdem Spaß daran haben.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Platte trotz ihrer Länge nicht einfach in einem Brei aus Verzerrung und Geschrei verschwindet. Die Riffs bleiben im Mittelpunkt. Wenn die Band richtig loslegt, funktioniert das ziemlich hervorragend. Wenn sie zu lange bei ihren Geräusch-Experimenten bleibt, verliert sich der Effekt dagegen gelegentlich.
„Super Rebound“ ist also kein Album für nebenbei. Dafür passiert hier schlicht zu viel. Manchmal zu viel des Guten. Aber selbst wenn 30,000 Monkies die Grenze ein wenig überdehnen, ist ihnen eines hoch anzurechnen: Sie haben offensichtlich keinen Bedarf, ihre Musik angenehmer oder vernünftiger zu machen.
Seltsam, schwer, laut und erstaunlich fröhlich dabei. Genau diese Mischung macht „Super Rebound“ aus. Und wenn irgendwo nach zehn Minuten plötzlich wieder dieses eine Riff kommt, das alles auseinandernehmen soll, ist man doch froh, dass die Belgier es wieder tun.
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