Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

PLAINDRIFTER – Gestalt (2026, Ripple Music) (Review)

Manchmal merkt man einem Album an, dass die Band keinen Bock hatte, sich selbst zu kopieren. Nicht weil plötzlich alles anders klingt, sondern weil ständig kleine Dinge passieren, die man so nicht unbedingt erwartet hätte. Gestalt ist genau so eine Platte.

PLAINDRIFTER bewegen sich weiterhin irgendwo zwischen Stoner Rock, Heavy Psych, Prog und einer Portion Post Rock, aber die Musik wirkt diesmal deutlich zielgerichteter. Wo viele Bands dieses Spektrums ihre Ideen gerne in endlosen Jams verlieren, behalten die drei Ruhrpott-Musiker erstaunlich oft den Überblick. Die Songs dürfen wachsen, sie dürfen Umwege nehmen, aber sie verlieren sich selten in ihnen.

Besonders angenehm fällt auf, dass hier niemand zwanghaft Härte demonstrieren möchte. Natürlich gibt es schwere Riffs, drückende Passagen und genug Fuzz, um den Verstärkerpark eines kleinen Festivals zu versorgen. Gleichzeitig lebt Gestalt aber von Dynamik. Die Platte funktioniert gerade deshalb, weil PLAINDRIFTER immer wieder Luft zwischen die schweren Momente lassen.

Der Begriff „Progressive“ wird heute oft für Musik verwendet, die einfach nur möglichst viele Ideen gleichzeitig unterbringen möchte. Bei PLAINDRIFTER wirkt das anders. Die Tempowechsel, die melodischen Verschiebungen und die zusätzlichen Klangfarben entstehen organisch aus den Songs heraus. Nichts klingt nach Pflichtübung. Selbst die Gastbeiträge fügen sich erstaunlich selbstverständlich ins Gesamtbild ein, anstatt als große Besonderheit vermarktet zu werden.

Was mir an Gestalt besonders gefällt, ist die Atmosphäre. Die Platte hat etwas Suchendes. Sie wirkt nie hektisch, aber auch nie selbstzufrieden. Viele moderne Heavy-Psych-Veröffentlichungen verlassen sich fast ausschließlich auf Klang und Stimmung. PLAINDRIFTER schaffen es dagegen, trotz aller Weitläufigkeit echte Spannung aufzubauen. Man hat selten das Gefühl, dass die Band einfach nur Zeit überbrücken möchte.

Dabei hilft auch die Produktion. Das Album klingt groß, aber nicht steril. Warm, aber nicht verwaschen. Die Instrumente besitzen genug Raum, um ihre Wirkung zu entfalten, ohne dass die Musik in Einzelteile zerfällt. Gerade die Gitarren profitieren davon enorm.

Wer nach eingängigen Refrains oder klassischen Songstrukturen sucht, wird hier vermutlich nicht immer sofort fündig. Gestalt verlangt ein wenig Geduld. Die Platte funktioniert eher als Reise denn als Sammlung einzelner Hits. Genau darin liegt aber auch ihre Stärke.

Am Ende bleibt vor allem der Eindruck einer Band, die sich nicht damit zufriedengibt, bekannte Genre-Muster einfach nur nachzuspielen. PLAINDRIFTER klingen weder nach einer Kopie von Elder noch nach einer weitere Desert-Rock-Band im Ripple-Kosmos. Sie nutzen diese Einflüsse, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen.

Gestalt ist keine Platte, die einem beim ersten Durchlauf alle Karten offen auf den Tisch legt. Aber je mehr Zeit man mit ihr verbringt, desto klarer wird, dass hier deutlich mehr passiert als bloße Retro-Nostalgie oder psychedelische Klangtapete. Für Freunde schwerer, atmosphärischer Rockmusik dürfte das zu den interessanteren Veröffentlichungen dieses Sommers gehören.

https://www.instagram.com/plaindrifter/

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