
Cløudy Skies – Bury Me Beneath The Stars (2026, Argonauta Records) (Review)

Die sauberen Gitarren sind auf Bury Me Beneath the Stars fast wichtiger als die Verzerrung. Cløudy Skies lassen ihre Töne lange stehen, schichten kleine Melodien übereinander und warten, bis aus der Ruhe etwas Unangenehmes wird. Dann kippt die Musik plötzlich nach vorne. Der französische Zweier hat diesen Wechsel schon auf Changes gepflegt, zieht ihn auf dem zweiten Album aber noch weiter.
Bei „Fluffy Darkness“ steckt die Unruhe bereits im Rhythmus. Die Gitarren bleiben klar, während darunter etwas lauert, das mit dieser scheinbaren Schönheit nicht recht zusammenpasst. Das gefällt mir an Cløudy Skies: Die ruhigen Passagen sind selten wirklich friedlich. Man wartet beinahe darauf, dass etwas schiefgeht.
„Depth Spell“ nimmt sich dafür über zehn Minuten. Ein ziemlich langer Tauchgang, passend zur Geschichte von Sirenen und dem Sog der Tiefe, die hinter dem Stück steckt. Der Song muss nicht ständig schwerer werden, um Spannung zu halten. Die Schichten verändern sich, der Raum wird größer, dann bricht die Härte wieder herein. Zehn Minuten sind eine Ansage, aber hier gibt es mehr zu tun, als einfach auf den nächsten Ausbruch zu warten.
Die Gaststimmen setzen unterschiedliche Akzente. Chris Richard von Nature Morte ist auf dem Titelstück zu hören, Keijo Niiminaa von Rotten Sound auf „Lights of the Night“. Gerade Niimainas Beteiligung dürfte manchen überraschen. Seine raue Stimme passt schlecht zu den schwebenden Gitarren, und genau deshalb funktioniert die Kombination. Das Stück bekommt eine unangenehme Schärfe, ohne dass Cløudy Skies dafür ihren ganzen Ansatz aufgeben müssen.
Dazwischen steht „Living Inside a Dream“, instrumental und aus Synthesizern und gesampelten Pedal-Steel-Gitarren gebaut. Ein merkwürdiger Übergang, aber einer, der dem Album guttut. Die Band muss nicht jeden freien Platz mit einem neuen Ausbruch füllen. „Birdsong“ setzt später ebenfalls auf Synthesizer und nimmt die Musik noch einmal aus dem metallischen Druck heraus.
Natürlich kann diese Art des Songwritings auch ermüden. Wenn die Gitarren lange in der Schwebe bleiben, braucht es Geduld; wer ständig neue Riffs erwartet, wird hier nicht glücklich. Mir ist allerdings lieber, dass Cløudy Skies ihre ruhigen Parts ernst nehmen, statt sie nur als Anlauf für den nächsten Blastbeat zu benutzen.
Die Produktion stammt von Lionel Forest selbst, Conny Pettersson kümmerte sich erneut um die Schlagzeugaufnahmen. Im Mittelpunkt steht dennoch nicht die technische Seite, sondern die Frage, wie lange die Band eine bestimmte Stimmung halten kann, bevor sie sie zerreißt. Das klappt nicht allein über Lautstärke. Oft reicht eine kleine Veränderung im Gitarrenton.
Bury Me Beneath the Stars ist keine Platte, die man wegen einzelner Riffs auflegt. Die Gitarren bleiben trotzdem hängen. Vor allem aber bleibt dieses leicht beunruhigende Gefühl, dass unter der schönen Oberfläche jederzeit etwas anderes hervorkommen kann.
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