
Causa Sui – In Flux (Review)

Causa Sui haben mit In Flux erneut gezeigt, warum sie seit über 20 Jahren zu den wichtigsten Bands im instrumentalen Psych-Bereich zählen. Es ist ihr achtes Studioalbum, erschienen als Doppel-10-Zoll-Vinyl, CD und digital. Knapp 50 Minuten, sieben Tracks – und zugleich der lockere Gegenpol zu ihrem 2024er Album From The Source.
Die Dänen – Jonas Munk an Gitarre und Synthesizer, Jakob Skøtt am Schlagzeug, Rasmus Rasmussen an den Tasten und Jess Kahr am Bass – haben hier weniger festgezurrt, mehr laufen lassen. Vieles entstand improvisiert, aus Jams heraus. Das Album wirkt offener, freier, mit mehr Luft und Raum als der Vorgänger.
Der Opener „The Circus Is Back“ dauert nur 1:49 Minuten – ein prog-artiger Rhythmus-Teaser, der mit Stop-and-Start-Gitarre sofort Spannung aufbaut. „Milkweed’s Pod“ folgt mit resonanter Gitarre und orgelgetragenem Raga-Flair, das den klassischen Psych-Vibe einfängt. „Boogie Lord’s Revenge“ legt Fuzz und Wah-Wah nach, heavy und groovend, irgendwo zwischen Stoner Rock und Latin-Einflüssen.
Das Zentrum bildet „Astral Shores“: 16 Minuten, die eine komplette Plattenseite füllen – von sanft-hypnotischem, fast rituellem Folk über motorischen Psych bis hin zu kosmischen Klangflächen, bevor sich alles wieder zurücknimmt. „Lament“ ist die jazzige Ballade des Albums, ruhig und atmosphärisch. „Apocalypse Slow“ steigert sich zum fulminanten Finale, während „Spree“ mit elektronischen Cembalo-Klängen und schwebenden Sounds einen ruhigen, fast meditativen Schlusspunkt setzt.
Die Produktion klingt warm und organisch. Die Tastenflächen schimmern, die Riffs sind satt und weit, das Schlagzeug treibt mit natürlichem Groove. Auch ohne Gesang haben die Stücke klare Konturen – mal schwer, mal zurückgenommen, mal riffbetont, mal frei fließend. Erinnerungen an die Jazz-Fusion von Hot Rats, an die Weite späten Talk Talk oder an den impulsiven Experimentalismus von Can auf Tago Mago drängen sich auf. Kein über 20 Minuten langes Mehrteiler-Epos – und doch fließt alles organisch.
Radikal neu ist das nicht. Es knüpft an From The Source an, ohne alles umzuwälzen. Aber es wirkt lebendig, entspannt und gleichzeitig konzentriert – einer der stimmigsten Psych-Releases der letzten Zeit. Für Fans von Monkey3, My Sleeping Karma, Yawning Man oder 35007 ist das Pflichtprogramm. Ein Soundtrack für den Sommer: lässig, weit, aber mit genug Energie.
Ich komme immer wieder darauf zurück – wegen der Grooves, wegen der Atmosphäre, einfach weil dieses Album atmet. Causa Sui bleiben ein fester Bezugspunkt im zeitgenössischen Psych Rock.
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