Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Electric Wizard – Electric Wizard (Klassiker-Review)

Das erste Electric Wizard-Album ist so ein Ding, das man nicht einfach mal so nebenbei laufen lässt. Es braucht die richtige Stimmung – Regen, Dunkelheit, vielleicht ein bisschen zu viel Kaffee zu spät am Abend. Wenn die Bedingungen stimmen, dann zieht es einen richtig runter und lässt einen nicht mehr los.

Jus Oborn, Tim Bagshaw und Mark Greening haben 1994/95 etwas gemacht, das noch nicht das ultra-komprimierte Monster von später ist. Es ist lockerer, jammiger, fast ein bisschen verschlafen – aber genau das macht es so besonders. Die Riffs sind langsam, fett, die Gitarren klingen wie durch Nebel und Regen gefiltert, und die Stimme von Jus hat diesen „ich bin gerade dabei, den Verstand zu verlieren“-Ton, der später zur Marke wurde.

Die Produktion ist roh, warm, analog – kein Glanz, kein Digital-Scheiß, einfach eine Band im Raum, Verstärker aufgerissen. „Stone Magnet“ und „Mourning Prayer“ kommen sofort rein und ziehen einen runter – diese Riffs schleichen sich an, bauen sich auf und zerquetschen einen dann ganz langsam. „Mountains of Mars“ ist das Instrumental, das den Vibe perfekt einfängt – trippy, aber nicht zu versponnen. „Behemoth“ ist dann der Brocken, der einen plattmacht. „Devil’s Bride“ und „Black Butterfly“ haben diesen Horrorfilm-Vibe, und „Electric Wizard“ als Titeltrack schließt ab mit einer Atmosphäre, die einem das Gefühl gibt, man sitzt in einem verlassenen Kino und schaut sich einen alten Fulci-Film an, während draußen der Regen prasselt.

Es ist nicht so ikonisch wie Dopethrone oder so catchy wie Come My Fanatics. Manche sagen, es sei „nur“ ein gutes Doom-Debüt ohne den späteren Kult-Status. Aber für mich ist es genau das: der Anfang von etwas Großem. Der Moment, in dem Electric Wizard aus dem Nichts kam und sagte: „Hier sind wir, und wir sind verdammt schwer.“

Wenn du Doom magst, das nicht nur groovt, sondern richtig runterzieht und high macht – ohne dass du high sein musst –, dann ist das hier Gold. Ich greif immer noch danach, wenn alles zu hell ist. Und es hilft jedes Mal.

https://www.electricfuckinwizard.com/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert