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Astrodeath im Gespräch: Australischer Sludge-Stoner aus dem Duo – Vol. II, Comic-Story und warum Alben nie wirklich fertig sind

Das Sydney-Duo Astrodeath (Tim Lancken an Gitarre/Gesang, Yoshi Hausler am Schlagzeug) ballert seit 2019 mit heavy Stoner-Sludge-Sound, Comic-Artwork und düsteren Vibes. Nach dem selbstbetitelten Debüt kam 2023 „Vol. II“ – wir haben mit Tim über den langen Weg zur Fertigstellung, die Zweier-Dynamik, Live-Pits und den Comic-Hintergrund gequatscht.

Hallo! Nach der ersten Platte – hattet ihr überhaupt Bock auf ’ne zweite, oder hat sich das eher angefühlt wie ’ne Pflicht?
Ja klar, wir wollten auf jeden Fall noch eine machen. Die erste selbstbetitelte Scheibe ist total schnell zusammengekommen – sowohl beim Schreiben als auch beim Aufnehmen. Bei „Vol. II“ haben wir uns bewusst Zeit gelassen, um die Ideen sonisch mehr auszureizen und nicht alles sofort durchzuziehen.

Ihr habt gesagt, das Album war hart fertigzukriegen. Gab’s ’nen Punkt, wo ihr gedacht habt, das kommt vielleicht gar nicht mehr raus?
Haha, wenn man’s dem Künstler überlässt, ist ’ne Platte ja nie wirklich fertig, oder? Am schwierigsten war der Anfang, bis die Ideen mal rollten. Aber sobald es klick gemacht hat, ging’s plötzlich schnell. Besonders wenn Timmy seine Gesangs-Ideen über die Basis-Arrangements legt – dann verschiebt sich alles. Die Melodien diktieren plötzlich, was der Song wirklich braucht, und man sieht klar, wo’s zu lang ist oder zu kurz. An dem Punkt rastet’s meist ein.

Welche Fehler von der ersten Platte habt ihr diesmal versucht zu vermeiden?
Bestimmt ’ne Menge, aber das gehört einfach dazu. Die erste sehen wir als Snapshot von damals – wir haben unseren Sound noch gesucht und die Identität als Band rausgefunden. Wir hatten kaum Shows gespielt, bevor wir rausgebracht haben. Der Kern war da, aber noch roh. Wir waren erst ’n Jahr zusammen, haben alles in vier Tagen auf Tape gezogen und dann in Pro Tools gemischt. Damals ging’s vor allem darum, Musik rauszuhauen und richtig Gas zu geben.

Als Zweier – fühlt man sich da manchmal eingeschränkt, oder macht’s Entscheidungen einfacher?
Beides. Logistisch ist’s mega easy: Proben, Touren, Organisation – alles simpler. Aber andererseits müssen wir zwei allein alle Sounds stemmen und den ganzen Kram dahinter machen. Trade-off halt, aber auf beiden Seiten gibt’s Gewinne.

Beim Songwriting – wie viel redet ihr eigentlich, und wie viel spielt ihr einfach nur?
Schwer zu sagen, was „normal“ ist. Wir quatschen schon ’n bisschen, aber meistens mahlen wir einfach an den Ideen rum, die wir mitbringen. Die Sachen gehen meist durch ein paar Versionen, bis die Struktur sitzt. Der Feel von Riffs und Beats kommt zuerst – ob’s richtig anfühlt und ob’s einzigartig ist. Gesang kommt später, und dann ändert sich meist wieder alles.

Schreibt ihr Songs schon mit Live-Gefühl im Kopf, oder kommt das später?
Beides. Manchmal haust du ’nen Riff oder Beat raus und siehst sofort ’nen Circle Pit oder Crowd vor dir. Andere Male folgst du ’ner Melodie, weil sie catchy ist, und stellst dir vor, wie jemand damit im Auto fährt oder beim Grillen mit Kumpels nickt oder leise headbangt, haha.

Die Lyrics malen ’n ziemlich düsteres Bild. Setzt ihr euch hin und schreibt das, oder kommt’s Zeile für Zeile?
Bei „Vol. II“ hat Timmy meist erst Melodien auf die Song-Skelette gepackt, dann später Lyrics, die zur Comic-Story passen. Auf der ersten waren mehr Lyrics schon da, bevor Glenno Smith die Comic-Illus gemacht hat. So oder so greift’s ineinander. Bei „Vol. II“ stand die Comic-Story von Glenno größtenteils schon, und wir haben versucht, die Texte passend dazu zu schreiben.

Woher kam der meiste Zorn auf der Platte – aus der Außenwelt oder aus dem eigenen Kopf?
Mix aus beidem. Zorn ist da, aber meistens geht’s um kreatives Storytelling. Wir ziehen Parallelen zu realen Scheiß und packen’s in Sci-Fi- oder Horror-Settings. Jeder kann’s nehmen, wie er will. Früher haben wir bewusst Klischee-Lyrics vermieden, und die lockere Comic-Story hat geholfen, das Ganze scharf zu machen.

Wenn Leute euch „intensiv“ oder „gruselig“ nennen – passt das für euch?
Vielleicht, haha. Es gibt massenhaft Bands, die viel intensiver und gruseliger sind als wir.

Ihr spielt mit Bands aus total unterschiedlichen Szenen. Fühlt ihr euch irgendwo richtig zugehörig?
Schwere Frage. Meist landen wir bei heavier Bands. Gleichzeitig spielen wir auch mit total schrägen oder unerwarteten Acts. Passt uns super. Wir finden’s cool, nicht in eine Schublade zu passen. Je unterschiedlicher und weirder, desto besser.

Wie sieht ’n schlechter Astrodeath-Gig aus? Und wie ’n guter?
In Bunbury, Western Australia, bei unserer ersten Headline-Tour dort: 40 Leute da, Opening-Band fängt an – und sofort bricht ’ne Massenprügelei aus. Security schmeißt die Hälfte raus, haha. War ’ne seltsame Nacht. ‚N guter Gig ist simpel: Solider Pit, Ärsche wackeln, Leute drehen durch und verlieren den Kopf.

Wie kam’s zur Verbindung mit Heavy Psych Sounds?
Unser alter Manager Matt Young von King Parrot hat den Kontakt hergestellt und den Stein ins Rollen gebracht. Wir waren die erste Aussie-Band bei denen. Hoffentlich legen die auch unser Nächstes raus, wenn’s so weit ist.

Warum genau „Invasion“ als erste Single?
Nicht ganz sicher. Wahrscheinlich wollten wir einfach was Schwereres als vorher rausballern.

Rückblickend, drei Jahre nach „Vol. II“ (2023) – seid ihr stolz drauf, oder hauptsächlich erleichtert, dass es endlich raus ist?
COVID hat die Timeline gestreckt, aber sonst hat’s einfach gedauert. Wenn man was anderes machen will, gibt’s keine fertigen Blaupausen. Immer ’ne riesige Erleichterung, wenn’s endlich draußen ist – aber auch scary, weil man nie weiß, ob’s Leute checken oder überhaupt juckt. Trotzdem: Wir sind stolz. Jeder Song hat was Eigenes musikalisch, und ’ne volle Platte interessant zu halten, ist uns immer wichtig. Gerade wenn man’s auf Vinyl presst, zählt das Album-Format noch.

https://heavypsychsoundsrecords.bandcamp.com/album/astrodeath-vol-ii

https://www.instagram.com/astrodeathband/

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