Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Year of the Cobra – Year of the Cobra (Review)

Nach all den Jahren, in denen Year of the Cobra als Duo aus Seattle ihren ganz eigenen Weg gegangen sind, kommt mit dem selbstbetitelten dritten Album endlich etwas, das wirklich wie ein Höhepunkt wirkt. Amy Tung Barrysmith (Bass, Gesang) und Johanes Barrysmith (Schlagzeug) haben sich Zeit gelassen – sechs Jahre seit Ash and Dust –, und man hört, dass die vielen Live-Gigs und Nebenprojekte (Amy ist ja auch bei Slower) Spuren hinterlassen haben. Der Sound ist gereift, direkter, und vor allem: verdammt druckvoll, obwohl nur Bass und Drums da sind. Matt Bayles am Mischpult hat ganze Arbeit geleistet – alles klingt fett, warm, fuzzig, ohne je zu versumpfen.

Der Opener „Full Sails“ packt sofort: Dieser Bass-Riff ist ein echter Earworm, Amys Stimme schwebt darüber, mal hauchzart, mal kraftvoll – das hat was von einer modernen Grace Slick im Doom-Gewand. „War Drop“ legt dann richtig los mit einem Groove, der einen nicht mehr loslässt, und die Drums hämmern wie besessen. Thematisch wird’s hier ernst mit Krieg und Zerstörung, passt leider nur zu gut in die aktuelle Weltlage. „Daemonium“ ist für mich der stärkste Track: catchy, fast punkig, und die Lyrics über sexuelle Gewalt bringt Amy mit einer Mischung aus Melodie und purer Konfrontation rüber – das sitzt, ohne billig zu wirken.

Die erste Albumhälfte fliegt nur so vorbei, voller Energie und dieser typischen Year-of-the-Cobra-Signature: heavy, groovy, ein bisschen psychedelisch angehaucht. „7 Years“ hat diesen bouncigen Drive und einen Refrain, der sich sofort festsetzt. Aber ab der Mitte wird’s ruhiger – „Alone“ und „Prayer“ sind emotional, melancholisch, Amys Gesang berührt wirklich, erinnert stellenweise an Windhand oder frühe Alice in Chains-Vibes. Schön gemacht, zweifellos, aber der Schwung bricht ein bisschen ein.

Man merkt, dass die Band in diesen Tracks tiefer in die Stimmung eintaucht, und das wirkt teils etwas zu langatmig. Nach so langer Pause hätte ich mir vielleicht ein paar mutigere Experimente gewünscht, irgendwas, das noch stärker aus dem Rahmen fällt.

Trotzdem: Das ist ihr bisher bestes Album, kein Zweifel. Es ist zugänglicher als die Vorgänger, ohne an Härte zu verlieren, und live wird das sicher eine Wucht. Wer Stoner/Doom mit Gefühl und ohne Gitarren sucht, kommt hier voll auf seine Kosten. Solider, starker Release – crushend, aber nicht ganz der totale Overkill.

Alle Infos, Streams und wo ihr das Album kaufen könnt: Prophecy Productions

https://www.facebook.com/yearofthecobraband

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