
Candlemass – Epicus Doomicus Metallicus (Klassiker-Review)

Mann, die Platte macht mich immer noch fertig. Hab Ende der 80er ’ne total beschissene Kassette davon irgendwoher gekriegt – wahrscheinlich gegen irgend ’nen scheiß Thrash-Tausch getauscht – und seitdem ist nix mehr wie vorher. Alle haben damals nur Speed und Thrash gefeiert, Metallica, Slayer, whatever, und Candlemass kommen einfach mit: Nee, wir machen das jetzt langsam und brutal schwer. Leif Edling war 19 oder so? Schreibt Riffs, die klingen, als wär’n die aus ’nem vergessenen schwedischen Keller ausgegraben worden.
Johan Längquist singt, als ob’s ihm echt wehtut. Nicht dieser übertriebene Opern-Quatsch, den Messiah später reingehauen hat – das hier ist rau, die Stimme kippt fast bei den hohen Stellen, klingt wie jemand, der total am Arsch ist und das auch zeigt. Solitude fängt super leise an, Akustik-Gitarre, bisschen Orgel im Hintergrund, und dann kommen die Gitarren rein und BAM, du bist platt. Der Riff ist eigentlich total simpel, aber der sitzt wie ’n Vorschlaghammer.
Demon’s Gate mit dem blöden gesprochenen Intro – ja, heute find ich’s bisschen peinlich, aber damals hat’s die Stimmung genau getroffen. Bass hält alles zusammen, Gitarren schieben diese traurigen, langsamen Linien hin und her. Dann wird’s noch träger und du klebst förmlich fest. Crystal Ball legt mal ’n Zahn zu, Bergwall ballert diese schnellen Leads raus – fast wie alter Maiden-Sound, aber durch Teer gezogen. Trotzdem total schwer.
Black Stone Wielder hat meiner Meinung nach den fettesten Riff der ganzen Scheibe. Der stampft einfach nur durch, kein Gefrickel, nur plattmachen. Under the Oak fängt mit diesem cleanen Teil an, der echt schön-deprimierend ist, dann kommt der Distortion zurück und es ist aus. Der Song lässt dich kurz Luft holen, bevor er wieder zuschlägt.
Sorcerer’s Pledge zum Schluss – erst leise Akustik mit der Story, dann stürmt die Band fast los, Harmonien übereinander, und am Ende verhallt’s gruselig. Kein einziger Durchhänger. Sechs Tracks, alle ballern.
Was mich nach all den Jahren noch so packt: Es wirkt nicht gestellt. Die haben keinen kopiert, einfach nur Sabbath geliebt, das langsame Zeug, und dann noch Melodie draufgeklatscht. Kein Trend-Gelaber. Hat später zig Bands beeinflusst – Reverend Bizarre, Solitude Aeturnus, Teile von My Dying Bride – aber das Original hat diesen hungrigen, lockeren Vibe, den sonst keiner so hingekriegt hat. Spiel nicht perfekt tight, Johans Stimme zittert vor Emotion, Produktion hallt wie in ’nem alten Grab. Genau das macht’s aus.
Wenn bei dir alles zu hektisch oder zu fake läuft, leg die mal auf. Die bremst dich runter. Immer noch die Doom-Platte schlechthin. Prost drauf. Doom forever, Alter.
- Ryan von Desert Storm über Songwriting, Tour und ihr neues Album

- Kombynat Robotron – AANK (Review)

- 16 – Guides For The Misguided (Review)

- Buzzard – Mean Bone (Review)

- Zurück am Start: Isaak im Interview

- Fuzz, Wut und Freiheit: THE CLAMPS im Interview

- High on Doom: Hemplifier zwischen Sci-Fi, Voodoo und seismischen Wellen

- Causa Sui – In Flux (Review)

- Tidal Wave im Interview: „In fünf Jahren Madison Square Garden – oder Kneipenkeller“

- Witchcraft – Idag (Review)


Schreibe einen Kommentar