
Jack Harlon & The Dead Crows: Kein Konzept mehr, nur noch Gefühl
Jack Harlon & The Dead Crows haben sich nie lange an einem festen Konzept aufgehalten. Mit Inexorable Opposites lassen sie Kontrolle und Kalkül weiter hinter sich und setzen ganz auf Gefühl, Reibung und Widerspruch. Wir haben mit der Band über Gegensätze, Geräusche und das Loslassen gesprochen.
Hey! Wie läuft’s gerade bei der Band?
Wir stehen kurz vor der Veröffentlichung unseres vierten Studioalbums Inexorable Opposites. Wir haben jetzt einen neuen Schlagzeuger (Brayden Becher) und haben in dieser Phase viel kollaborativer geschrieben als früher.
Ich bin total gespannt darauf, dieses Monster endlich rauszuhauen – nach fast zwei Jahren Schreiben und Produzieren.
Für Leute, die euch noch nicht kennen: Worum geht’s bei JACK HARLON & THE DEAD CROWS? Kurze Geschichte und aktuelle Besetzung?
Jack Harlon & The Dead Crows haben als Konzeptprojekt angefangen – über einen Western-Outlaw in einem Sci-Fi-Universum. Am Anfang war es einfach nur ein kleines Bedroom-/Garage-Projekt, dann haben wir angefangen zu touren, Alben rauszubringen und einfach weiterzumachen.
Mit der Zeit habe ich immer mehr echte Situationen und Menschen aus meinem Leben ins „Harlon-Universum“ gepackt, und mittlerweile ist es ein Ventil für meine alltäglichen Gedanken und Gefühle geworden.
Angefangen hat das Ganze als kleiner Witz, aber inzwischen ist es so, dass ich genau das mit meinem Leben machen will: diese Gefühle auf Platte festhalten und sie in die Welt hinausschicken.
Unsere aktuelle Besetzung:
- Tim Coutts-Smith: Gesang & Gitarre
- Jordan Richardson: Gitarre
- Liam Barry: Bass
- Brayden Becher: Schlagzeug
Inexorable Opposites erscheint am 6. Februar 2026 – herzlichen Glückwunsch! Was könnt ihr uns über das Album erzählen – Hauptthemen, Ideen?
Danke! Ich hab das Gefühl, ich sitz schon ewig auf dem Ding. Ich bin so froh, dass es endlich auch andere Leute komplett hören können, nicht nur ich.
Das Album wird unsere üblichen Fans wahrscheinlich mehr herausfordern als alles bisherige – wir haben mit neuen Stilen und Sounds experimentiert, die nicht unbedingt typisch für Stoner/Doom/Desert sind, und die Texte sind mir diesmal wirklich mega wichtig geworden.
Ich hoffe echt, dass die Leute sich diesmal die Lyrics genau anhören.
Das große Thema des Albums dreht sich darum, dass das Leben ein ewiger Kampf zwischen Licht und Dunkel, Gut und Böse, Glück und Tragödie ist. So muss es einfach sein. Das Schlechte gibt dem Guten erst den Kontext.
Im Kern geht’s um meine eigene Innenschau und den Versuch, mit diesen widersprüchlichen Gefühlen klarzukommen, jetzt, wo ich auf die Lebensmitte zugehe. Jeder Song klingt ziemlich anders als der vorherige – und das ist Absicht.
Wie vergleicht ihr es mit euren früheren Veröffentlichungen?
Na ja, erstmal klingt die Produktion deutlich besser, haha. Viele unserer frühen Sachen fühlten sich für mich später ziemlich gezwungen und überdacht an.
Wir haben jetzt einen komplett anderen Schreibprozess – ich lasse die Emotionen die Songs schreiben, nicht mehr meinen Verstand. Und dass die Band viel stärker mitmischt, hilft mir enorm, mir selbst aus dem Weg zu gehen.

Irgendwelche coolen Stories aus den Aufnahmen oder der Zusammenarbeit mit Magnetic Eye Records?
Es war echt spannend, mal zu sehen, wie die ganze Label-Seite funktioniert. Wir haben gerade erst unterschrieben, also ist noch nichts richtig Wildes oder Verrücktes passiert – aber bleibt dran!
Was die Aufnahmen angeht: Das ist das erste Mal, dass wir einen richtigen Engineer für die Drums hatten. Wir hatten einen Tag, an dem wir lauter komische Geräusche im Studio aufgenommen haben – und die meisten davon haben es tatsächlich aufs Album geschafft.
Beim ersten Hören merkt man es vielleicht nicht direkt, aber da sind Sachen wie: der Studio-Aufzug, ein gedämpfter Kontrabass für Donnergrollen, Schrauben in Gläsern – alles mögliche verrückte Zeug.
Ihr seid jetzt fast zehn Jahre dabei – was hält euch am Laufen?
Ehrlich gesagt weiß ich das selbst nicht genau. Ich hab einfach das Gefühl, dass es meine Bestimmung ist, diese Alben zu machen. Alles fängt damit an, dass ich neue Musik machen will.
Dann haben wir plötzlich ein ganzes Album voll Songs, beschließen, das der Welt zu zeigen, und gehen damit auf Tour. Es läuft wie ein Uhrwerk und passiert irgendwie von allein.
Wie ist die Desert-Rock-Szene in Australien? Kommt man leicht an Gigs oder kann man davon leben?
Sie kommt und geht, atmet ein und aus. Es ist hier eine ziemliche Nischen-Community, aber die Leute darin sind die loyalsten und engagiertesten, die man sich vorstellen kann.
Von Musik allein leben? In Australien extrem schwierig – es gibt zu wenige Städte und die Entfernungen sind brutal. Die meisten Bands haben nebenbei einen normalen Job.
Australien ist generell ziemlich träge, was Musikgeschmack und die Förderung von heimischer Musik angeht – und in einer Nische bist du quasi unsichtbar. Komischerweise mag ich genau das irgendwie: diese „Underdog-Herausforderung“.
Stehen bald Live-Shows oder Touren an?
Ja, wir touren von Februar bis April die Ost- und Südküste Australiens. Unser großes Ziel im Moment ist, genug Geld zusammenzukriegen, um nach Europa zu kommen. Das wird ein riesiger Berg, aber wir schaffen das!
Wenn ich einen neuen Hörer neugierig machen will: Welcher Song von Inexorable Opposites sollte als Erstes laufen – und warum?
Ich würde wohl Moss nehmen – der erste Song auf dem Album. Er ist einfach die beste Gesamtzusammenfassung dessen, was das Album dem Hörer sagen will.
Vielen Dank für deine Zeit – noch ein paar Worte an die deutschen Fans?
Eines nicht allzu fernen Tages kommen wir endlich nach Deutschland – und ich kann’s kaum erwarten, mit euch allen richtig abzufeiern!!
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