Der ultimative Fuzz aus der Unterwelt

Howling Giant – Crucible & Ruin (Review)

Die Nashville-Truppe Howling Giant ist schon seit gut zehn Jahren im Stoner-Psych-Zirkus unterwegs und hat sich mit ihrem fetten, spacigen Sound eine treue Fanbase erspielt. Ihr drittes Album Crucible & Ruin kam pünktlich zu Halloween 2025 raus – und Alter, das Ding haut richtig rein, härter als alles zuvor von den Jungs.

Nach den super eingängigen Songs auf Glass Future vor zwei Jahren legen sie hier noch eine Schippe drauf: mehr Biss, dickere Riffs, trippigere Atmosphären, die einem bekannt vorkommen, aber trotzdem immer wieder frisch klingen.

Den größten Sprung macht die Band durch den Neueinsteiger Adrian Lee Zambrano an Gitarre und Keys. Der Kerl bringt diese schwebenden Synth-Schichten mit, die den Tracks plötzlich richtig Tiefe und ein kosmisches Feeling verleihen, ohne dass die Basis an Wucht darunter leidet.

Durch die Platte zieht sich lose eine Story um einen jungen Gott, der gegen uraltes Chaos kämpft – das spürt man in den Texten über Erschaffen, Zerstören und Neubeginn. Aber am Ende sind es die Songs, die alles rausreißen.

Direkt los ballert “Canyons“ – ein absoluter Kracher mit wuchtigen Gitarren und Harmonien, die sich sofort festsetzen. Zach Wheeler haut am Schlagzeug alles kurz und klein, Sebastian Baltes liefert endlich einen Bass, der richtig im Mix bollert, und die Gitarren von Tom Polzine und Zambrano tauschen Solos und Licks aus, die leicht progig klingen, aber immer schön dreckig bleiben.

“Hunter’s Mark“ groovt schön schmierig mit Blues- und Sludge-Einschlag, “Archon“ steigert sich dann in pure Psych-Höhen und hat einen Refrain, den man live garantiert mitgrölt. Der absolute Höhepunkt ist das zweiteilige “Beholder“: Teil eins ein kompaktes Riff-Biest mit durchgeknallten Drums und fetten Breaks, Teil zwei verabschiedet sich dann düster und emotional mit Solos, die richtig Gänsehaut machen, über langsamem Doom-Gewitter.

Zwischendurch gibt’s kleine Verschnaufpausen wie das ambientige “Lesser Gods“ oder das kurze, synthy “The Observatory“, damit die 47 Minuten nicht ermüden.

Erstmals in einem richtigen Studio aufgenommen – und das merkt man: alles klingt knackig scharf, Drums knallen, die Vocals harmonieren sauber (auch wenn die Dreistimmigkeit für manche zu poliert sein mag, die’s lieber roh wollen), und die Synths sitzen perfekt, ohne die Gitarren zu erschlagen. Klarer als die alten fuzzigen Scheiben, mit Anleihen bei Mastodons Wumms oder Elder’s Breitwand-Prog, aber immer noch 100 % Howling Giant – voller Hooks und Erzählfreude.

Kleinigkeiten zum Meckern: Manche Passagen, z. B. das wiederholte Motiv in “Melchor’s Bones“, hätten etwas straffer sein können, und die Vocals sind Geschmackssache. Aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau. Crucible & Ruin schießt die Band endgültig in die Oberliga des Undergrounds, verbindet Stoner-Kraft mit Prog-Hirn. Wer auf große Riffs mit Psyche und Herz steht, kommt hier nicht drumrum – definitiv eine der 2025-Scheiben, die im Gedächtnis bleiben.

Alle Infos, Streams und wo ihr das Album kaufen könnt: Magnetic Eye Records

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert